Wasser im Sandwich eines Decks oder Rumpfes

Was bei einem belegten Brötchen willkommen ist, ist für ein Boot möglicherweise auch für dessen Eigner eine Katastrophe, Feuchtigkeit im Sandwichkern.
Die Ursachen sind meist die gleichen: Durch gegen das Deck, den Rumpf undichte Beschläge unter Teakdecks dringt über einen langen Zeitraum Feuchtigkeit ein und breitet sich im Sandwichmaterial aus. Sehr beliebt sind alte Teakdecks mit undichten Fugen sowie stark belastete Befestigungspunkte wie Ballastkiele, Borddurchbrüche an Seeventilen, Püttingbeschläge, Vorstagbeschläge, Relingstützen, Mastspuren, aber auch alle anderen mit Schrauben oder Bolzen montierten Teile.

Was geschieht im Sandwichkern?

Nasses Kernmaterial um undichten Pütting, gut
zu erkennen: Fäulnis nur in einem kleinen Radius
um den Pütting, obwohl der nasse Bereich
wesentlich größer ist.

Eingedrungene Feuchtikeit breitet sich über einen langen Zeitraum im Kernmaterial aus, relativ langsam durch das Material selbst (diffusion), schneller geht es falls Kanäle im Kernmaterial nicht wie es sein sollte mit Polyestermasse gefüllt sind, was vor allem im Serienbau immer wieder vorkommt. Holzkerne beginnen zu faulen und können zerfallen, ähnliches geschieht mit Schäumen, hier werden die Kunstoffe, meist PVC, mit „Hilfe“ der sich bei der Hydrolyse der Polyesterharze aus den Decklaminiaten bildenen Säuren angegriffen und zersetzt. Polyurethanschäume benötigen dazu lediglich das eingedrungene Wasser. Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß Holzkerne schneller zerstört werden als Kunstoffkerne. Übersteigt der die relative Holzfeuchte im Kern einen gewissen Wert können sich Pilze nicht entwickeln. Bei Kunstoffen gilt: mehr Wasser, schnellerer Zerfall. Hohe Temperaturen beschleunigen den Prozess.

Folgen:

Durch Hydrolyse geschädigtes unteres Laminat
eines Sandwichdecks, der Kern ist bereits entfernt
(Diva 39)

Die Laminate lösen sich vom Kern ab, bzw. der Kern selbst bricht, Polyesterlaminate im Deck werden durch Hydrolyseprozesse geschädigt. In der Folge wird das Deck „weich“, bei Belastung gibt es nach, es verliert zunehmend seine Steifigkeit die für den gesamten Bootsrumpf wichtig ist. In der Folge können Spannungskonzentrationen an anderer Stelle auftreten, vorwiegend an den Verstärkungen des Rumpfes, den noch „harten“ Stellen und dort zu vorzeitigem Ermüden der Materialien führen. An der Oberfläche der betroffenen Laminate können durch die stärkere Deformierung Risse auftreten, Auf Dauer und mit fortschreitender Zerstörung können Laminate brechen.

Prävention

Um ein solches Szenario zu vermeiden, muss dafür sorge getragen werden, daß alle Beschläge absolut dicht verbaut werden und dicht bleiben. Dauerelastische Dichtmassen benötigen eine der Bewegung der Teile gegeneinander angemessene Dehnfuge, ansonsten reisst die Dichtung ab und versagt, am besten wird die Fuge nach deren Aushärtung noch unter Spannung gesetzt. An hochbelasteten Stellen sollte ein druckfester Kern den leichten relativ weichen Sandwichkern ersetzen, falls das nicht mehr möglich ist kann nachträglich der Kern durch das Bohrloch der Schraube entfernt und der Hohlraum mit Epoxidharz gefüllt werden. An Stellen hoher Krafteinleitung kann der Sandwichkern entfernt und durch massives Laminat ersetzt werden.
Beschläge sollten in regelmäßigen Abständen auf Dichtigkeit überprüft werden. Feuchtigkeit im Laminat bzw. Sandwichkern kann mit kapazitiven Messgeräten zerstörungsfrei aufgespürt werden.
Es ist sicherlich eine gute Idee Beschläge in mehrjährigen Abständen neu einzudichten. Die Folgekosten eines ausgebreiteten Wassereinbruchs im Kern sind immens.

Reparatur

Kern entfernt

 

Neuer Kern wird eingeklebt

Hat sich Wasser bereits im Kern ausgebreitet werden die Maßnamen bei weitem aufwendiger. Es muss vesucht werden den Kern zu trocknen, hierzu kann man versuchen das Aussenlaminat in engem Raster aufzubohren und mit Hilfe von Wärme und Vakuum den Rumpf zu trocknen. Ist der Trocknungsprozess zu langwierig, gelingt er nicht, oder ist diese Variante zu unsicher ist die Vorgehensweise folgende: Entfernen des Decklaminates und des nassen Kerns. Ist das untere Laminat bereits durch Feuchtigkeit geschädigt, muss es ersetzt oder durch weitere Laminatlagen verstärkt werden. Im Anschluss wird der neue Sandwichkern eingesetzt, darauf wird das Decklaminat aufgebracht. Im Anschluss wird in mehreren Durchgängen gespachtelt, geschliffen und lackiert.

Aussenlaminat ist aufgebracht

Weitere Informationen:

Zerstörung von Kunstoffen:  http://en.wikipedia.org/wiki/Chemically_assisted_degradation_of_polymers
Beschläge montieren: WEST SYSTEM Handbuch zu bekommen bei M.u.H. von der Linden GmbH, Download möglich:  http://vonderlinden.de
Decksanierung Bilder:  https://picasaweb.google.com/113868631083922244396/DivaSandwichdeckReparatur?authuser=0&feat=directlink

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