Wirtschatflichkeit eines Bootrefit oder lohnt sich eine Bootsreparatur?


Die Bläschen am Unterwasseschiff – gemerkt hat man das eigentlich schon lange. Die eingerissenen Dichtfugen des Teakdecks und die Propfen die sich heben, schon gesehen, die Wasserspuren an den Püttings innen, die Risse an den Relingstützen alles nichts neues. Irgendwann jedoch erreicht der Alterungsprozess des Bootes ein Stadium das man nicht mehr schmeichelnd mit „Patina“ umschreiben kann…

Was tun? Hartnäckig schleicht sich der Gedanke ins Bewusstsein des nicht mehr ganz so stolzen Bootseigners, daß da in Zukunft mehr getan werden muss als das alljährliche Polieren und Teakdeck Ölen. Bei manchen Bootseignern führt der Weg dann vor die Tore meiner Werft, mit der Frage was man da machen kann… Mir, dem Bootsbauer, fällt dazu natürlich allerhand ein…
Bei genauerer Betrachtung des Gesamtzustandes des Bootes wird häufig klar, daß eine Entscheidung zu treffen ist. Entweder kosmetische Retuschen um das Ableben des schwimmenden Untersatzes etwas hinauszuzögern oder Tabula Rasa, der Totalrefit des Bootes.

Ein Beispiel

Es handelt sich um ein etwa 9-10m langes GFK Segelboot, Baujahr ende 70er anfang 80er Jahre.
Offensichtlich ist ein marodes Teakdeck sowie undichte Püttinge, leckende Fenster etc.
Das Material in den Fugen des Decks hat aufgrund von Alterungsprozessen an Flexibilität verloren und ist gerissen.
Weniger  offensichtlich sind die „verdeckten Mängel“. Oft noch nicht bemerkt sind faule Decks oder Stellen am und Im Rumpf,  Wasser im Sandwich, speziell im Deck. Delaminierte Bereiche etc. Häufig treten die erst zu Tage wenn man mit den Arbeiten begonnen hat.

Reparaturaufwand und Kosten

 Die Dichtmasse auszutauschen ist möglich. Bei einem Boot mit einer Länge von etwa 10m können das 150-250m Fuge sein, die aufwendig ausgeräumt, neu vergossen und verschliffen werden müssen. Dieser Aufwand ist sinnvoll, wenn der Gesamzustand des Decks so gut ist, daß es mindestens weitere 10 Jahre durchhält. Bei genauem hinsehen jedoch wird deutlich: Manche Planken lösen sich stellenweise vom Deck, viele Propfen sind lose oder fehlen, der Decksbelag hat schon stark an Dicke verloren. Ergo, die angestrebte Nutzungsdauer wir das Deck sicher nicht mehr erreichen. In der Konsequenz muss das gesamte Teakdeck erneuert werden. Je nach Ausführung und Komplexität betragen die Kosten zwischen €1200,- und €1500,-/m², bei 12m² Fläche also ca. €16.000.- . Nun stellt sich die Frage: „Überlebt mein Boot die Nutzungsdauer des neuen Teakdecks?“
Die Antwort ist häufig ein „Ja, aber!“ Denn, da sind noch die undichten Püttinge, Bläschen im Unterwasserschiff, möglicherweise steht eine Lackierung des Decks und der Aussenhaut an etc.. Die Beseitigung der verdeckten Mängel lassen sich vor Arbeitsbeginn (wer hätte es gedacht)  noch nicht beziffern Anhaltspunkte können hier Erfahrungswerte des Bootsbauers sein. Nach Erfassung aller Kosten stehen Beträge zwischen €25.000,- bis €45.000,- im Raum.

Der Wert und die Wirtschaftlichkeit

Ein „neues“ Gebrauchtes scheidet meist aus, da dieses im entsprechend besserem Zustand kaum zu bekommen ist. Ein neues Boot, falls der Typ noch hergestellt wird, ist deutlich teurer. Diese Überlegungen gelten im Besonderen für Holzboote und Einzelbauten.
Zudem ist es eine Tatsache, daß nicht der monetäre gleich dem ideellen Wert einer Sache ist. Die Dinge haben den Wert den wir Ihnen beimessen. Es kann ein sehr befriedigendes Gefühl sein eine geschätzte Sache reparieren zu lassen und es weitere Jahre zu nutzen anstatt es zu „Entsorgen“, Beispiel: eine besondere Armbanduhr die wir  bekommen haben und uns anschließend immer wieder daran erfreuen wenn wir sie benutzen und ansehen.
Niemand stellt infrage das ein neues Smartphone für € 600,- eigentlich maßlos überteuert und in drei Jahren nahezu wertlos ist, kaufen tun wir es trotzdem. Im Vergleich dazu ist die Sanierung eines Bootes äußerst wirtschaftlich.

Fazit

Es stellt sich dem gebeutelten Eigner letztendlich die Frage:
„War ich mit meinem Boot zufrieden und möchte ich auch in Zukunft damit segeln?“
Falls Er diese Frage mit „Ja“ beantworten kann, sollte er darüber nachdenken die Arbeiten in Auftrag zu geben

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