Jollensegeln ein Plädoyer

Es scheint als gäbe es nur noch kleine Hochgeschwindigkeitsskiffs, und Kielboote. Wo bleiben die handzahmen Jollen, die H-Jollen, Zugvögel, Piraten, Vauriens, Korsare und Yxilons? Outet man sich als Jollensegler dieser Kategorie erntet man von der Kielbootfraktion Mitleid und von den Skiffseglern Verachtung oder umgekehrt. Dabei stellen diese Boote einen guten Kompromiss zwischen zügigem Segeln, Tourentauglichkeit und geringem Kapital- und Zeiteinsatz dar. In den meisten Fällen handelt es sich um gleitfähige Boote. Mit Ihrem gegenüber Kielbooten günstigen Segelflächen/Gewichtsverhältnis (Segeltragzahl) sind sie diesen bei frischem Wind auf halben bis raumen Kursen häufig überlegen. Manche der Jollen verfügen über Trapezeinrichtungen und sind für das Segeln mit Gennaker oder Spinnaker vorbereitet. Sie werden so auch sportlichen Ansprüchen gerecht, ohne jede Sekunde unter voller Konzentration artistische Übungen vollführen zu müssen. Verfügen Sie außerdem noch über Reffeinrichtungen und kleinere Vorsegel können Sie auch bei reichlich Wind gut gesegelt werden, Boote mit doppeltem Boden und selbstlenzender Plicht können sogar nach einer Kenterung weitersegeln. Ist man etwas puristisch veranlagt, kann man mit größeren Booten und einigen wasserdichten Packtaschen und Zelt ausgestattet, ausgedehnte Wandersegeltouren unternehmen und Gewässer befahren, die für die tiefgehenden Kielboote niemals erreichbar sind. Liegeplatzprobleme existieren nur am Rande, einen Trockenliegeplatz mit Slip ist meist relativ günstig und leicht zu finden. Mastlegen ist ein Einmann-Job und Trailerbar sind sie sowieso und das sogar mit einem Kleinwagen. Die Kosten für einen Start in den Segelsport ist so vergleichsweise überschaubar. Je nach Anspruch bekommt man  segelbare Boote ab  ein paar hundert Euro. Reparatur, Instandhaltungs- und Überholungsarbeiten sind meist in einer größeren Garage in überschaubarer Zeit möglich.

Was hat dazu geführt das eine ganze Bootsgattung so aus dem Fokus der Segler geraten ist? Vielleicht liegt es daran das Extreme, in beide Richtungen also „Komfortabel“ oder „Schnell“ leichter zu bewerben und abzusetzen sind als gute und gelungene scheinbar „langweilige“ Kompromisse? Aber mit welchen Booten hat man den meisten Spaß pro eingesetztem Kapital? Mit extrem schnellen Booten für die immer eine dreiköpfige Mannschaft nötig sind und nur im Neopren Kampfanzug gesegelt werden können, da die Kentergefahr allgegenwärtig ist und die sowieso erst ab 3-4Bft. wirklich Spaß machen? Oder im anderen Fall die Kiel-Komfortjacht mit Vollpersenning deren Abbau den Eigner schon die ersten 1500kcal verbrennen lässt, für deren Ausfahrt aus dem teuren Liegeplatz im engen Hafen mindestens eine Einbaumaschine nötig ist und ein Segelsatz das dreifache kostet? Oft werden diese Boote nicht bewegt, da der Aufwand um kurz 2 Stunden auf dem Wasser zu sein viel zu hoch ist. Mit einer einfachen Jolle und einem leichtem Slipwagen kann man auch allein in zwanzig Minuten auf dem Wasser sein um eine Runde Feierabend zu segeln. Hat man einen Straßentrailer, ist es ein leichtes mit dem eigenen Boot neue Reviere zu erreichen.

Hat man es einmal versucht werden viele entdecken, dass das Segeln auf diesen Booten viel Spaß macht und vielseitige Segelerlebnisse bietet.

Probieren Sie es mit einem Skipper Ihres Vertrauens einfach einmal aus!

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