USB-Dinghy – a modified GOAT ISLAND SKIFF

Das Boot, die Idee…

Länge: 5m
Breite: 1,53m
Tiefgang ohne/mit Schwert: 0,1m/1m
Großsegel: Luggerrigg mit Baum 11,5m²
Gennaker: Am ausfahrbaren Bugsprit, 9m²
Gewicht segelfertig: 110kg (mit Rudern)
Baumaterial: Okume Sperrholz 6mm, Epoxy/Glaslaminat aussen.
Bauweise: Sperrholz Knickspant, gebaut ohne Mallengerüst.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen dieses Boot zu bauen?

Ich habe gelernt das Dinge mit denen man Seine Freizeit gestalten möchte Einfach sein müssen, Einfach verfügbar, einfach aufzubauen, einfach mitzunehmen, diese Einfachheit lässt uns mehr Zeit für die Dinge um die es eigentlich geht: Zeit auf dem Wasser verbringen. Komplizierte Dinge halten auf, rauben Zeit, Energie und schränken ein. Früher hatte ich eine knapp sechs meter lange Jolle Sie wog 210 Kg und hatte ein 8,5m hohes aufwändiges Alurigg. Das Boot war schön und schnell zu segeln aber ich konnte es alleine nicht slippen. Gestört hat mich ausserdem, daß es bei Flaute nur schwer und unhandlich mit Stechpaddel zu bewegen war. Ruder konnten werder sinnvoll angebaut noch verstaut werden, einen Aussenborder wollte ich an einem kenterbaren Boot nicht verbauen. Im Resultat bewegte ich mich von meinem Hafen nur selten weiter als ein bis zwei Kilometer weg, ich segelte immer seltener und noch seltener machte ich weitere Ausfahrten. Ich wollte ein Boot das leicht, einfach zu slippen, schnell und vielseitig ist. Eine Jolle mit der ich sportlich segeln kann und zum Segelwandern geeignet ist. Bei meiner Recherche bin ich auf das „Goat Island Skiff“ von Michael Storer gestossen eine leichtes, schnelles Boot das sehr gut segelt, über längere Strecken leicht zu rudern ist viel Raum und eine an die Windbedingungen anpassbare Segelfläche bietet. Allein oder zu zweit gesegelt ist es schnell und sportlich. Zum Nachmittags spasssegeln finden auch vier Mitsegler Platz. Mit Gepäck und Zelt können zwei Segler auch über mehrere Tage unterwegs sein leicht genug um es alleine zu slippen oder den Strand hinauf zu ziehen.

Was genau unterscheidet Dieses Boot von anderen am Markt?

Mittlerweile findet man eher zwei Typen von Jollen oder Dinghys, zum einen High Performance Skiffs, hochspezialisiert für das schnelle segeln, meist kipplig, nicht ruderbar und unbequem oder relativ schwere und breite Boote die nicht oder nur schwer zu rudern sind. Diese effiziente und klimaneutrale Fortbewegung ist meist nicht einmal vorgesehen. Sie müssen mit Aussenbordmotor versehen werden was das Gewicht weiter erhöht bei Kenterungen problematisch ist eine Bootsabnahme und ausserdem hohe Kosten verursacht. Das Goat Island Skiff oder mein USB Dinghy ist aufgrund des geringen Gewichts und der schmalen Knickspantform mit ausreichen Stabilität zum Segeln ausgestattet und läuft auch beim Rudern leicht. Die Riemen können gut im Vorschiff verstaut werden und stören beim Segeln nicht. Das effiziente und günstige Luggerrigg an einem unverstagten Mast gesetzt ist mehrfach reffbar die relativ große Fläche kann bei mehr Wind oder beim gemütlichen Wandersegeln leicht an die Verhältnisse angepasst werden. So ist das Boot auch bei 25kn Wind noch gut segelbar. Sportliches Gleiten und gemütliches Segeln, allein, mit bis zu drei Mitseglern oder Gepäck für mehrere Tage mit der Sicherheit auch bei Flaute entferntere Ziele zu erreichen sind in diesem Boot möglich. Aufgrund der Spantform und des hohen Freibords steigt die Stabilität mit zunehmender Beladung stark an, das freut die Wandersegler. Es kann kostengünstig gebaut werden, auch ein Selbstbau ist mit einfachen mitteln und handwerklichem Geschick gut möglich, eine Garage und Basis Handwerkzeuge/-maschinen reichen aus. Die Lugger-Cat Takelung an einem freistehenden Mast hat den Vorteil wesentlich einfacher aufgebaut zu sein als vergleichbar großes Rigg üblicher Bauart mit Wanten, Vorstag und Vorsegel. Der leichte Performance Nachteil hoch am Wind wird durch sehr gute Raumwindeigenschaften ausgeglichen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Goat Island Skiff und Ihrem USB-Dinghy?

Mein USB-Dinghy ist ein modifiziertes Goat island Skiff (GIS). Im Unterschied zum GIS (4,73m) ist das USB 5m lang, die Breiten und Höhen sind identisch, das USB hat einen weiteren Auftriebstank Bb. und Stb. des Schwertkastens und ein an unsere Leichtwindverhältnisse angepasstes Rigg mit 11,5m² anstatt im Original 9,75m² Segelfläche. Um bei raumen Kursen schneller zu sein habe ich mein USB mit einem Gennaker ausgestattet der im Original nicht vorgesehen ist, der verdoppelt die Segelfläche beim „Bergab“-segeln. Ist nicht nötig macht aber Spass… Der Gennaker wird bei mir an einem nach beiden Seiten um 500mm schwenkbaren Bugsprit geführt. Dadurch kann mehr „Tiefe“ gefahren werden. Das Handling ist einfach, beim setzen des Gennakers fährt der Baum automatisch aus und fährt beim Einholen des Segels wieder ein. Das Handling ist Einhand mit der auf 20,5m² angewachsenen Segelfläche, zwei Schoten und Pinne nicht ganz einfach, deshalb ist Crew bei etwas mehr Wind von Vorteil. Anders als das GIS ist das USB auf der Aussenhaut mit einem Epoxy/Glasfaserlaminat ausgestattet, welches die Oberfläche deutlich robuster macht aber auch das Gewicht erhöht. Weiterhin habe ich eine dritte mittlere Kielleiste aufgebracht die zum einen den Bootsboden weiter aussteift und das Vorschiff beim Anlanden besser schützt. Diese Massnamen und die grössere Länge haben das Gewicht des Rumpfes von (GIS) 57kg auf 70kg ansteigen lassen. Ich vermute ein segelfertiges GIS wiegt ca 90kg, das USB wiegt ca. 110kg. All diese Modifikationen lassen sich auch bei dem GIS Nachrüsten.

Wie kann ich das Boot transportieren?

Da es sehr leicht ist reicht der kleinste Trailer mit ausreichender Länge, so ein Gespann kann von nahezu jedem PKW mit Anhängerkupplung gezogen werden. Wandersegeln auf der Müritz den Ostdeutschen Boddengewässern, Holländischen Kanälen und viele andere Reviere rücken so in greifbare Nähe.

Welches Resümee ziehen Sie nach Bau und der bisherigen Segelerfahrung?

Meine Ziele habe ich eindeutig erreicht, das Boot ist schnell, einfach zu rudern kann allein und mit bis zu vier Leuten oder haufenweise Gepäck sportlich oder gemütlich bewegt werden und sieht mit seinem klassischen Look in meinen Augen einfach toll aus. Es setzt einen erfrischenden Akzent zwischen den etablierten Skiffs und Jollen. Es liegt spielerisch auf dem Ruder, springt beim kleinsten Luftzug an und gleitet früh. Die am-Wind Eigenschaften sind überraschend gut, vermutlich auch aufgrund der profilierten Anhänge, mit einem Reff (8,4m²) konnte ich das Boot einhand bei Windgeschwindikeiten zwischen 15-19kn auch hoch am Wind problemlos segeln ab Halbwind kam es immer wieder ins gleiten. Eine Segelwandertour mit meinem Sohn über drei Tage haben gezeigt das es auch diese Disziplin gut beherrscht. Rudern bei Flaute ist ein Genuss Trotz Gepäck und einem Mitsegler war ohne spürbare Anstrengung eine Bootsgeschwindigkeit von ca. 2,5kn über mehrere Kilometer erreichbar. Mit etwas Engagement sind auf längeren Strecken auch 3kn machbar. Jeder Strand ist eine potentielle Landestelle das Boot hochzuziehen ist alleine einfach und sehr viel schneller als es mit vier Leinen in einem Hafen zu vertäuen, diese können natürlich auch genutzt werden sind aber nicht mehr Bedingung um an Land zu gelangen. So ergeben sich endlos mehr Möglichkeiten einen Landgang zu unternehmen. Etwas zu entdecken, eben mal ein Eis zu oder ein leckeres Bier am Strand zu holen ist mit diesm Boot „eben mal“ möglich.
Der Gennaker ist ein Spassbringer, allerdings im Verlgeich: Das Großsegel ist mit Downhaul, Fall und Schot bedienbar (drei Leinen davon 2 im Cockpit), der Gennaker hat zwei Schoten, ein Fall, zwei Steuerleinen für den Baum also weitere fünf Leinen die im Cockpit enden. Den Segelspass erkauft man sich also mit mehr Strippen und längerer Aufbauphase vor dem Segeln. Hinzu kommt der Preis eines Gennakers der Beschläge und Leinen als auch der nicht unerhebliche Mehraufwand beim Bauen. Wer es einfach möchte ist mit dem üppigen Großsegel schon sehr gut ausgestattet, die Gennakeroption kann bei Bedarf später nachgerüstet werden, ich möchte darauf allerdings nicht mehr verzichten.

Würden Sie manche Dinge inzwischen gerne ändern?

Ja, ein paar Dinge würde ich anders machen. Ein Laminat würde ich nur noch auf dem Bootsboden anbringen auf den Rumpfseiten ist es nicht wirklich erforderlich. Das spart ca. 3kg Gewicht. Die Luggerrahe würde ich aus einem Kohlefasersurfmast bauen, der ist steifer und spart Toppgewicht. Bei dem ergänzten Auftriebstank am Schwertkasten bin ich mir noch nicht sicher ob ich Ihn wieder einbauen würde, er schluckt wertvollen Stauraum und ob er bei einer Kenterung spürbaren Vorteil bringt muss sich erst noch herausstellen. Was ich sicher ergänzen werde ist ein moderates Ausreitbrett das den Sitzkomfort erhöht und beim Einhandsegeln mehr aufrichtendes Moment, also mehr „PS“ bringt, ausserdem Polster für die schmalen Dollborde, die sich so ungepolstert doch sehr nachhaltig in den Allerwertesten drücken…

Wo kann ich das Boot bekommen, kann ich es selbst bauen?

Das Goat Island Skiff als auch die modifizierte Variante USB können Sie bei mir beziehen.
Ein Selbstbau ist mit etwas handwerklichem Geschick und einer Werkstatt in Grösse einer Garage gut möglich.

Weitere Informationen

Infos über den Bau des USB-Dinghys finden Sie unter: http://aw-marine.com/?s=USB-Dinghy

Pläne für das GIS inklusive ausführlicher Bauanleitung in englischer Sprache, und tonnenweise weitere Informationen über die Luggertakelung und Segeltechniken erhalten Sie auf der sehr informativen Seite des Konstrukteurs: https://www.storerboatplans.com/category/plan/gis/

USB-Dinghy – Segeln mit Gennaker

Hier die ersten Bilder mit Gennaker! Der ist mit 10qm noch etwas dürftig… Und wir haben ihn bis jetzt nur bis Bft 1,5 gesegelt aber da ist er ein heftiger beschleuniger… Zwar wird das konzept des simplen Riggs mit den ganzen strippen negiert aber dafür entschädigt es mit ordentlichem Geschwindigkeitszuwachs auf raumen Kursen.

USB-Dinghy – Nachsorge

Rutschbahnelimination

Um zukünftige Rutschpartieen im Boot zu unterbinden habe ich Antisliplack (Antirutschfarbe?!) Einlackiert. Damit sollte ich in den Manövern dann mehr Kontrolle über mich haben…

Das Absolute Ende…

des Bootes versehe ich gerade mit einer scharfen Abrisskante, der Radius am Spiegel war viel zu groß. Eigentlich wusste ich das bereits, das das Wasser aber so wuschig um die runde Ecke wirbelt war mir nicht klar, da das unnötigen Widerstand verursacht kommt nun eine rattenscharfe Kante hin.

… Noch nicht ganz fertig, morgen wird es beigeschliffen und geprimert, nach dem Urlaub dann wieder weiss lackiert.

Butt-Groove

Um tiefen Eindrücken in meinem Allerwertesten durch das Dollbord zukünftig zu umgehen mach ich mich morgen auch noch kurz auf die Suche nach einem geeigneten Polstermaterial…

USB-Dinghy – Finish und Probeschlag bei 4-5Bft.

ENDLICH (fast) FERTIG!

Nach anstrengenden letzten Tagen war das Boot am Freitag Segelklar so das ich am Samstag nach dem unspektakulären Stapellauf den ersten Probeschlag machen konnte.

Bei bestem Segelwetter mit sehr böhigen 4-5Bft. aus WSW waren „interessante“ Bedingungen gegeben. Im engen Hafenbecken drehte ich überraschend den ersten 360er, da vor mir ein gekenterter Laser die Hafeneinfahrt versperrte und realisierte den Rudereinschlag der vom Dollbord auf ca. 30° begrenzt wird, das war eeeennng… weiss mans ist es ok, die Erkenntnis kam allerdings im ungünstigen Moment. Draussen wechselte ein Grundwind von ca 13kn mit häufigen abrupten, harten Böen bis 19kn ab. Das auf 8,4m² gereffte Rigg liess sich bestens kontrollieren. Unter diesen Bedingungen kam das Boot ab Halbwind immer wieder über längere Strecken ins Gleiten. Bei einer heftigen Böe fierte ich zu spät, nach dem eintauchen der Baumnock kam es zur beinhahe Kenterung. Über Lee stieg doch eine „nennenswerte“ Mengen Wasser ein bevor ich das Boot nach Lösen der Downhaul (entspricht in etwa der Kombination aus Baumniederholer und Vorliekstrecker wieder aufrichten konnte. Trotz ca. 15cm Wasser über dem Boden lag das Boot ausreichend stabil so das ich gut stehen konnte. Nach dem bergen des Segels lag ich mit Luvruder beigedreht schöpfte das Boot leer und konnte dann weitersegeln. Trotz reichlich Wind und entsprechender Welle segelt das Boot wegen des hohen Freibords sehr trocken. Anstrengend war die zu hohe Einstellung der Ausreitgurte und der glatte Boden der mich bei jedem zweiten Manöver haltlos auf den Hintern setzte (war sicher lustig anzusehen…) Mit der Zeit bekam ich das Verhalten des Bootes immer besser in den Griff. Den Gennaker zu ziehen vermied ich unter diesen Bedingungen erst einmal. Das mache ich bei weniger Wind oder mit Crew.

Fazit

Die Segeleigenschaften entsprechen nach den ersten zwei Stunden auf dem Wasser voll den Erwartungen. Aus den gesammelten Erfahrungen habeich schon eine neue ToDo Liste generiert:

  • Anti-Rutsch auf Böden / sicherer Stand
  • Ausreitgurte niedriger laschen / kraftsparendes Ausreiten
  • Ausreitgurte achtern anheben.
  • Pinne kürzen / Bewegungsfreiheit & Rudereinschlag
  • Pinne mit Kunstoffgelenk / schafft mehr Bewegungsfreiheit
  • Kürzere Pinnenverlängerung / unnötig lang
  • Abrisskante anbringen / Besseres angleiten & gleiten
  • Sitzpolster auf dem Dollbord anbringen
  • Steifere Rahe / Falte beim harten Durchsetzen von Schot und Downhaul von Baumnock zumitte der Rahe.
  • Schamfilschutz an Rahe anbringen. /schützt den Mast
  • Reff Gummiseil
  • Riemen balancieren
  • Slipwagen Lager anpassen.
  • Windenstand Trailer / einfacheres aufladen des Bootes mit Slipwagen

USB-Dinghy – Bau von Mast und Spieren

Aus mehreren Gründen habe ich mich entschieden die Spieren aus relativ schwerer Kiefer anstatt Fichte oder Spruce zu bauen. Zum einen reiben Baum, Luggerrahe und Mast permanent aneinander, hier ist der Vorteil der höheren Druckfestigkeit gegenüber Fichte, zum anderen ist der unverstagte Mast relativ hohen Biegebeanspruchung ausgesetzt. Kiefer ist ein gutes Stück fester als die leichteren Hölzer und wird dieser Belastung besser gereicht. Ausserdem ist es in hoher Qualität leicht verfügbar relativ günstig und muss nicht um den halben Planet transportiert werden (Spruce ist schwer zu beschaffen, sündhaft teuer und wird aus den USA oder Kanada importiert…) Um Das Gewicht bei hoher Steifigkeit niedrig zu halten sind Mast und Großbaum hohle Kastenprofile. Sie sind an belasteten Stellen mit Glasfaser/Epoxylaminat verstärkt. Grundsätzlich werde ich an Stellen an denen es sinnvoll ist aus den gleichen Gründen zukünftig mehr heimische Hölzer einsetzen.

USB-Dinghy – Schwenkbarer Gennakerbaum

Hier der Einbau der Führungen und Verstärkungen des schwenkbaren Gennakersystems Da die Lagerstellen weit auseinanderliegen ist die Belastung nich sehr hoch das hilft die Verstärkung am Vorsteven schlank zu halten.

USB-Dinghy – schwenkbarer Gennakerbaum

Eigentlich plante ich den Gennakerbaum asymmetrisch von Stb. durch die Außenhaut am Bug zu führen, die Nock im ausgefahrenen Zustand auf die Bootsmitte fixiert. – Dann ist mir aufgefallen daß eine schwenkbare Variante baulich nicht mehr Aufwand macht und mich entschlossen diese Variante zu bauen.

USB-Dinghy – Rollout Mastanprobe

Vorsichtshalber haben wir den Mast eben einmal in das dafür vorgesehene Loch im Boot gesteckt… und er passt ohne Nacharbeit, Klasse! Eigentlich ist es nicht nur ein USB sondern auch ein SUV (Sport Utility Vehicle) und dabei im Gebrauch klimaneutral.

So jetzt werden die Segel bestellt!